Tarifinfo Uniklinika Nr. 14

18.04.2018

Tarifvertrag zur Entlastung kommt

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die große ver.di-Tarifkommission hat am 11. April mit zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen dem Verhandlungsergebnis vom 20. März zugestimmt.

Damit kann nun nach einer sehr bewegten Tarifrunde folgende Regelungen tarifvertraglich vereinbart werden:

Personalbedarfsermittlungsverfahren: An allen vier Standorten soll verbindlich ein solches Verfahren (z.B. INPULS, PPR, Arbeitsplatzmethode) eingeführt bzw. weitergeführt werden und Transparenz schaffen.

Regelbesetzungen: Umgehend nach Einführung der Verfahren werden für 10 bis 20 Pflegeorganisationsbereiche pro Standort auf der Basis der Berechnungen Regelbesetzungen (Sollbesetzungen) ermittelt. Das sollen die Bereiche sein, wo es am heftigsten „klemmt“. Welche Bereiche das unserer Meinung nach sein sollen, klären wir gemeinsam vor Ort.

Berechnet das System mehr Personal, bildet dies dann die Regelbesetzung. Sollte das Personalbedarfsermittlungssystem jedoch die Regelbesetzung in konkret begründeten Ausnahmefällen nicht sachgerecht abbilden, erfolgt eine zusätzliche Anpassung.

Keine Nacht alleine: Es soll eine personelle Regelbesetzung für die Nachtschichten von mindestens zwei Fachkräften je Station erfolgen. Davon muss mindestens eine Person eine 3-jährige Ausbildung in der Kranken- bzw. Altenpflege besitzen.

Zusätzliche Stellen: Es soll mindestens 120 neue Vollkraftstellen über alle Standorte geben. Der Aufbau beginnt sofort nach Inkrafttreten des Tarifvertrages und wird schnellstmöglich umgesetzt.

Ausfallmanagement (wir hatten es Konsequenzenmanagement genannt): Wir haben ausgehandelt, dass die Arbeitgeber das bisher schon angebotene Ausfallmanagement umgehend nach Abschluss eines Tarifvertrages an allen Standorten verbindlich umsetzen. Es muss mindestens einen Springerpool für kurzfristige Ausfälle, eine Positivliste (was muss gemacht werden und was kann verschoben werden) und Regelungen zum Belegungsmanagement (Verlegung oder Abbestellung von Patient*innen, Bettenschließungen) enthalten.

Wenn die Sollbesetzung des jeweiligen Pflegeorganisationsbereiches (Station, OP, Intensiv etc.) unterschritten wird, müssen die Maßnahmen ausgelöst werden.

Wurden keine Maßnahmen ergriffen oder wirken die Maßnahmen nicht, muss die Stationsleitung dies nach drei Schichten direkt dem Vorstand melden, der dann die Verantwortung für die Entlastung hat.

Sonderkündigungsrecht: Der Tarifvertrag kann, wenn die Regelungen nicht eingehalten werden, von uns nach sechs Monaten wieder gekündigt werden. Ohne diese Regelung hätte die Tarifkommission dem Verhandlungsergebnis nicht zugestimmt.

Wir schließen deshalb einen Tarifvertrag auf Bewährung. Entweder die Arbeitgeber halten sich in dieser kurzen Probezeit an die Vereinbarungen, dann kann so ein Tarifvertrag ein Erfolg werden. Oder nicht. Dann werden wir kündigen und wieder vor der Tür stehen. Unser Maßstab dafür: gab es Entlastung oder nicht. Wir haben bereits eine Strategie entwickelt, wie wir die Umsetzung in diesen sechs Monaten sehr eng begleiten werden. Da trauen wir uns viel zu. Jetzt sind die Arbeitgeber am Zug!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie Ihr euch in dieser Tarifrunde eingesetzt habt, wie viel Zeit, Energie und Kreativität Ihr eingebracht habt, war und ist großartig! Bei aller berechtigten Skepsis, ob wir den Arbeitgebern wirklich die Ausführung der Regelungen zutrauen können und ob sie wirklich ernst machen: Wir können stolz auf das sein, was wir erreicht haben. Unser Abschluss ist bereits Richtschnur für die Tarifauseinandersetzung der Homburger Kolleginnen und Kollegen.

Die Tarifrunde Entlastung wird ihr (vorläufiges) Ende erreichen, wenn der Tarifvertrag unterschrieben ist. Mit unserer starken Bewegung werden wir dagegen so lange weiterkämpfen, bis Entlastung erreicht ist.

Bereits am 23.4. beginnen die Verhandlungen über den Tariftext. Über unsere Strategie, wie wir die Umsetzung begleiten, informieren wir in Kürze, ebenso wie über die ebenfalls am 11.4. beschlossenen Forderungen für die anstehende Entgelttarifrunde.

ViSdP: Irene Gölz, ver.di Baden-Württemberg, Fachbereich 3, Theodor-Heuss-Str. 2/1, 70174 Stuttgart

Die Tarifinfo Uniklinika Nr. 14 als .pdf zum Download.