Tarifinfo Entlastung Nr. 9

Tarifverhandlungen am 18.12.: Bewegung, aber noch lange kein Durchbruch

19.12.2017

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
bis buchstäblich zur allerletzten Minute haben die Arbeitgeber letzte Woche versucht, zu verhindern, dass Ihr für eure Forderung nach mehre Personal auch kämpfen könnt. Diesen Angriff auf euer Streikrecht konnten wir am Dienstag zwei Mal vor Gericht erfolgreich abwehren!

Somit konntet Ihr am Mittwoch und Donnerstag nicht nur mit phänomenalen Aktionen, Kundgebungen und Demos, sondern eben auch mit Streiks ein deutliches Zeichen setzen. Und dadurch ist tatsächlich Bewegung in unsere Verhandlungen gekommen! Zum ersten Mal haben die Arbeitgeber von „Regelbesetzungen“ gesprochen. Doch das Brett, das wir bohren, ist noch immer ziemlich dick!

Zum Verhandlungsverlauf:
In einer ersten Runde haben die Arbeitgeber ihr Angebot vom 7.12. verbessert:
1. Personalaufbau Pool/bereichsübergreifende Dienste
Neu: über alle Standorte 120 zusätzliche Vollkräfte in der Pflege für den Aufbau von Pools statt der am 7.12. angebotenen 100 VK.
– Unsere Bewertung: weiterhin nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
2. Neu: Nachtdienst
– Keine Nacht alleine: z.B. Festschreibung einer Regelbesetzung im Nachtdienst von zwei Pflegekräften (hiervon muss eine vollexaminiert sein).
– Unsere Bewertung: geht in die richtige Richtung. Es muss allerdings definiert werden, auf wie viel Patient*innen eine Pflegekraft kommt.
3. Betriebliches Gesundheitsmanagement.
Neu: z.B. flächendeckende psychische Gefährdungsbeurteilung.
– Unsere Bewertung: bereits gesetzlich vorgeschrieben!!!

Die Arbeitgeber gehen weiterhin von einer grundsätzlich hinreichenden Besetzung und nur einigen „Hot Spots“ aus.

Wir haben nochmal deutlich gemacht, dass wir Mindestbesetzungen mit einer Definition des Verhältnisses Patient*innen pro Pflegefachkraft für die Stationen, OPs, Anästhesie, Kreißsaal und die Funktionsdienste wollen, die mehr Personal bringen. Und wir wollen Mindestbesetzungen, um zu wissen, wann es Konsequenzen geben muss: wenn die Mindestbesetzungen unterschritten werden, muss mehr Personal her oder die Arbeit reduziert werden.

Dann haben sich die Arbeitgeber noch ein bisschen bewegt und haben uns „sachgerechte Regelbesetzungen in den pflegesensitiven Bereichen Intensiv und IMC“ angeboten sowie ein Sonderkündigungsrecht für den Tarifvertrag, wenn es nicht funktioniert, als Konsequenzenmanagement.

Das ist ein Lichtblick für die Beschäftigten der Intensiv- und IMC-Stationen, aber keinerlei Entspannung der Arbeitssituation im Tagdienst der Stationen sowie im OP, der Anästhesie, im Kreißsaal und den Funktionsdiensten.

Da muss noch deutlich was draufkommen. Diesen Auftrag haben wir den Arbeitgebern für die Weihnachtspause mitgegeben. Am 15.Januar wird weiterverhandelt.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, hinter uns liegt ein Jahr, in dem wir gemeinsam viel und viele in Bewegung gesetzt haben. Jetzt gönnen wir uns erst einmal eine kleine Pause von unserem Kampf für mehr Personal. Wir wünschen euch allen fröhliche Weihnachten, entspannte Feier- und Urlaubstage und allen, die arbeiten müssen, einen ruhigen, wenig belastenden Dienst.

Auf in ein erfolgreiches Jahr 2018!

ViSdP: Irene Gölz, ver.di Baden-Württemberg, Fachbereich 3, Theodor-Heuss-Str. 2/1, 790174 Stuttgart