Aktuell

Der marktgerechte Patient

Ein „FILM VON UNTEN“ von Leslie Franke und Herdolor Lorenz, 82 Min.

(aktuell montags auch im Friedrichsbau, Freiburg)

Es gibt zwar bereits zahllose Berichte über skandalöse Zustände in den deutsche Krankenhäusern. Erstaunlicherweise fehlt dabei aber fast immer der Bezug auf die wesentliche Ursache dieser Zustände: Die seit 2003 verbindliche Vergütung der Krankenhäuser durch sog. Fallpauschalen (jede diagnostizierbare Krankheit hat einen fixen Preis – wer mit möglichst geringen Personal-, Sach- und Organisationskosten den Patienten optimal schnell abfertigt, macht Gewinn – wer sich auf die Patienten einlässt und Tarife zahlt, macht Verlust). Die Einführung der sog. DRGs (Diagnosis Related Groups) war der radikale Schritt zur kompromisslosen Kommerzialisierung eines Bereichs, der bis dahin vom Gedanken der Empathie und Fürsorge getragen wurde. Seither wird der Mensch dort, wo er am Verletzlichsten ist, nämlich als hilfsbedürftiger Patient, den gnadenlosen Prinzipien von Gewinn und Verlust untergeordnet.
http://www.der-marktgerechte-patient.org/index.php/de/

 


Uniklinik Düsseldorf: Patienten solidarisieren sich mit streikendem Klinikpersonal

15. August 2018

„Wir sind empört über die skandalöse Überlastung und Überforderung des Personals, über extrem mangelnde Entlohnung, über unhaltbare Arbeitsbedingungen. Wir verurteilen, dass die Leitungen der Uni Klinik und ihrer Tochter-Gesellschaften nicht dafür sorgen, dass genügend Personal zur Verfügung steht und in angemessener Sorgfalt und Qualität gearbeitet werden kann. Es ist ein Skandal, dass bei den Geschäftsführungen der Uni Klinik Düsseldorf und ihrer Tochter-Gesellschaften betriebswirtschaftliche Überlegungen – Wirtschaftlichkeit, Rendite und Profit – im Zentrum stehen und nicht das Wohl der PatientInnen.“
Aus dem Solidaritätsbrief mit den Streikenden

Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Uniklinik-Duesseldorf-Patienten-solidarisieren-sich-mit-streikendem-Klinikpersonal…


Tarifvertrag Entlastung ist seit 01. Juli in Kraft

Der unterschriebene „Tarifvertrag vom 20. März 2018 über die Entlastung und Stärkung des Pflegepersonals – Pflegestärkungsvertrag der Universitätsklinika Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm (TV UK-Entlastung Pflege)“
hier als .pdf zum Download


Pressemeldung von ver.di Ba-Wü vom 12.7.2018

ver.di erreicht Tarifergebnis für die Uniklinika – 3,2 Prozent bei 14 Monaten Laufzeit und viele weitere Verbesserungen

In der dritten Verhandlungsrunde mit den Uniklinika Baden-Württemberg in Stuttgart-Vaihingen hat ver.di am Abend ein Tarifergebnis erreicht. Die Gehälter steigen rückwirkend zum 1. Mai um 3,2 Prozent, bei einer Laufzeit von 14 Monaten. Die unteren Entgeltgruppen erhalten eine zusätzliche Einmalzahlung von 200 Euro. Die Auszubildenden bekommen eine Erhöhung ihrer Vergütung von 65 Euro im Monat plus eine Mobilitätszulage von 40 Euro monatlich sowie den vollen Urlaubsanspruch von 30 Tagen. Die Vergütungen der Auszubildenden in der Gesundheits- und Krankenpflegehilfe steigen überproportional um fast 15 Prozent. Außerdem hat ver.di bundesweit als erste eine gute Tarifierung für die Psychotherapeutinnen in Ausbildung durchsetzen können. Zudem konnten Zeitzuschläge für die Bereitschaftsdienste durchgesetzt werden.

Durch die vergleichsweise kurze Laufzeit können nun die Verhandlungen für eine neue Entgeltordnung bis zum 1. Juli 2019 zu Ende gebracht werden, ohne schon jetzt Kompensationen für noch nicht vereinbarten Regelungen abschließen zu müssen.

Irene Gölz, ver.di Verhandlungsführerin: „Damit haben wir bei allen Knackpunkten gute bis sehr gute Ergebnisse erreicht. Dieser Entgeltabschluss und der Entlastungtstarifvertrag waren nur möglich, weil die Beschäftigten über Monate hinweg sich für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen eingesetzt haben. Das Beispiel Uniklinika zeigt: Sich organisieren bringt Erfolge.“

Für die vier baden-württembergischen Uniklinika in Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg gilt ein eigener Tarifvertrag mit dem Arbeitgeberverband Uniklinika, von dem rund 24.000 Beschäftigten an den vier Kliniken betroffen sind. Die Ärzte fallen unter den TV Ärzte, das wissenschaftliche Personal als Landesbeschäftigte unter die Tarifbestimmungen des Landes.

ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg
tHeo.1, Theodor-Heuss-Straße 2, 70174 Stuttgart

Weitere Infos: Tarif-Info Nr. 4 – TV-UK Entgeltrunde .pdf


Tarifinfo Uniklinika Nr. 14

18.04.2018

Tarifvertrag zur Entlastung kommt

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die große ver.di-Tarifkommission hat am 11. April mit zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen dem Verhandlungsergebnis vom 20. März zugestimmt.

Damit kann nun nach einer sehr bewegten Tarifrunde folgende Regelungen tarifvertraglich vereinbart werden:

Personalbedarfsermittlungsverfahren: An allen vier Standorten soll verbindlich ein solches Verfahren (z.B. INPULS, PPR, Arbeitsplatzmethode) eingeführt bzw. weitergeführt werden und Transparenz schaffen.

Regelbesetzungen: Umgehend nach Einführung der Verfahren werden für 10 bis 20 Pflegeorganisationsbereiche pro Standort auf der Basis der Berechnungen Regelbesetzungen (Sollbesetzungen) ermittelt. Das sollen die Bereiche sein, wo es am heftigsten „klemmt“. Welche Bereiche das unserer Meinung nach sein sollen, klären wir gemeinsam vor Ort.

Berechnet das System mehr Personal, bildet dies dann die Regelbesetzung. Sollte das Personalbedarfsermittlungssystem jedoch die Regelbesetzung in konkret begründeten Ausnahmefällen nicht sachgerecht abbilden, erfolgt eine zusätzliche Anpassung.

Keine Nacht alleine: Es soll eine personelle Regelbesetzung für die Nachtschichten von mindestens zwei Fachkräften je Station erfolgen. Davon muss mindestens eine Person eine 3-jährige Ausbildung in der Kranken- bzw. Altenpflege besitzen.

Zusätzliche Stellen: Es soll mindestens 120 neue Vollkraftstellen über alle Standorte geben. Der Aufbau beginnt sofort nach Inkrafttreten des Tarifvertrages und wird schnellstmöglich umgesetzt.

Ausfallmanagement (wir hatten es Konsequenzenmanagement genannt): Wir haben ausgehandelt, dass die Arbeitgeber das bisher schon angebotene Ausfallmanagement umgehend nach Abschluss eines Tarifvertrages an allen Standorten verbindlich umsetzen. Es muss mindestens einen Springerpool für kurzfristige Ausfälle, eine Positivliste (was muss gemacht werden und was kann verschoben werden) und Regelungen zum Belegungsmanagement (Verlegung oder Abbestellung von Patient*innen, Bettenschließungen) enthalten.

Wenn die Sollbesetzung des jeweiligen Pflegeorganisationsbereiches (Station, OP, Intensiv etc.) unterschritten wird, müssen die Maßnahmen ausgelöst werden.

Wurden keine Maßnahmen ergriffen oder wirken die Maßnahmen nicht, muss die Stationsleitung dies nach drei Schichten direkt dem Vorstand melden, der dann die Verantwortung für die Entlastung hat.

Sonderkündigungsrecht: Der Tarifvertrag kann, wenn die Regelungen nicht eingehalten werden, von uns nach sechs Monaten wieder gekündigt werden. Ohne diese Regelung hätte die Tarifkommission dem Verhandlungsergebnis nicht zugestimmt.

Wir schließen deshalb einen Tarifvertrag auf Bewährung. Entweder die Arbeitgeber halten sich in dieser kurzen Probezeit an die Vereinbarungen, dann kann so ein Tarifvertrag ein Erfolg werden. Oder nicht. Dann werden wir kündigen und wieder vor der Tür stehen. Unser Maßstab dafür: gab es Entlastung oder nicht. Wir haben bereits eine Strategie entwickelt, wie wir die Umsetzung in diesen sechs Monaten sehr eng begleiten werden. Da trauen wir uns viel zu. Jetzt sind die Arbeitgeber am Zug!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie Ihr euch in dieser Tarifrunde eingesetzt habt, wie viel Zeit, Energie und Kreativität Ihr eingebracht habt, war und ist großartig! Bei aller berechtigten Skepsis, ob wir den Arbeitgebern wirklich die Ausführung der Regelungen zutrauen können und ob sie wirklich ernst machen: Wir können stolz auf das sein, was wir erreicht haben. Unser Abschluss ist bereits Richtschnur für die Tarifauseinandersetzung der Homburger Kolleginnen und Kollegen.

Die Tarifrunde Entlastung wird ihr (vorläufiges) Ende erreichen, wenn der Tarifvertrag unterschrieben ist. Mit unserer starken Bewegung werden wir dagegen so lange weiterkämpfen, bis Entlastung erreicht ist.

Bereits am 23.4. beginnen die Verhandlungen über den Tariftext. Über unsere Strategie, wie wir die Umsetzung begleiten, informieren wir in Kürze, ebenso wie über die ebenfalls am 11.4. beschlossenen Forderungen für die anstehende Entgelttarifrunde.

ViSdP: Irene Gölz, ver.di Baden-Württemberg, Fachbereich 3, Theodor-Heuss-Str. 2/1, 70174 Stuttgart

Die Tarifinfo Uniklinika Nr. 14 als .pdf zum Download.